FerriNom · Ferritin-Bayes-Nomogramm
Wie Ferritin die Wahrscheinlichkeit für fehlendes Knochenmarkeisen verändert.
Mit und ohne Anämie; nicht speziell bei Anämie *Explorative Übertragung auf das Guyatt-Modell.
Prätestwert anhand der klinischen Konstellation wählen oder ein beschriebenes Szenario zum Vergleich auswählen. Der Startwert 70 % ist keine Bevölkerungsschätzung.
Welches Szenario passt?
Zuerst prüfen: Ist eine Anämie bereits bekannt? Die AGA-Szenarien setzen Anämie voraus. Die ASH-Werte beschreiben breitere Populationen mit und ohne Anämie; sie sind weder reine IDWA-Szenarien noch Schätzungen speziell für Menschen mit Anämie.
| Szenario | Population und Auswahl | Grundlage |
|---|---|---|
| AGA · 20 % | Ambulante Männer und postmenopausale Frauen mit Anämie. Vergleichsszenario, wenn diese Ausgangssituation vorliegt. | AGA Technical Review 2020, Tabelle 2: Prävalenzannahme im Modell. |
| AGA · 60 % | Ambulante prämenopausale Frauen mit Anämie. Keine allgemeine Prävalenz für alle menstruierenden Personen. | AGA Technical Review 2020, Tabelle 2: Prävalenzannahme im Modell. |
| ASH · 16 % | Nicht menstruierende, nicht schwangere Erwachsene. Breites Bevölkerungsszenario; die zugehörige Ferritinempfehlung gilt ohne bekannte oder vermutete Entzündung. | ASH 2026, Empfehlung 2: globale gepoolte Prävalenz aus 52 Studien, n = 154.819. |
| ASH · 27 % | Menstruierende Personen von 12–45 Jahren. Keine gesonderte Schätzung bei starker Menstruationsblutung oder bereits bekannter Anämie. | ASH 2026, Empfehlung 3: globale gepoolte Prävalenz aus 79 Studien, n = 264.178. |
| ASH · 37 %* | Schwangere über alle Trimester. Kein trimesterbezogener Wert und keine Schätzung speziell für anämische Schwangere. Hier ausschließlich explorativ: Das Guyatt-Modell ist nicht speziell für Schwangerschaft validiert. | ASH 2026, Empfehlung 4: globale gepoolte Prävalenz aus 31 Studien, n = 93.782. |
Die Werte ersetzen keine individuelle Prätestschätzung. Symptome, Blutverluste, Ernährung und Resorptionsstörungen können die Ausgangswahrscheinlichkeit verändern. Ferritin selbst nicht bereits in die Prätestschätzung einrechnen. Bei Entzündung reichen diese Bevölkerungsszenarien und das hier verwendete LR-Modell zur Beurteilung nicht aus.
ASH beschreibt Eisenmangel in Populationen; die Rechnung hier verwendet weiterhin Guyatts Modell für fehlendes Knochenmarkeisen. Die Verbindung beider Quellen ist eine eigene Modellübertragung und für diese Populationen nicht gesondert validiert. Ein Knopf übernimmt nur den Prätestwert, keine populationsspezifische Ferritinkurve oder Diagnoseempfehlung.
Quellen: AGA Technical Review 2020, Tabelle 2 · Powers et al., ASH 2026, Empfehlungen 2–4.
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Gestrichelte Linien: didaktische Beispiele für 20 % und 80 %, keine Therapie- oder Diagnoseschwellen. Die farblichen Ferritinbereiche orientieren sich an den klinischen Entscheidungsgrenzen nach Naveed et al. (2023).
Prätest-Szenarien: AGA / ASH · LR-Modell: Guyatt et al. · Ferritinbereiche: in Anlehnung an Naveed et al.
Modell, Rechnung und Quellen
Kontinuierliches LR-Modell nach Guyatt et al. (1992) für die mixed population, mit dem im Erratum korrigierten Koeffizienten: ln(LR) = 6,5429 − 1,6985 × ln(Ferritin). Ferritin in µg/L; ln bezeichnet den natürlichen Logarithmus.
Posttest-Odds = Prätest-Odds × LR. Bei etwa 47,1 µg/L ist LR = 1: Die Wahrscheinlichkeit bleibt unverändert. Dieser Modellpunkt ist keine universelle Entscheidungsgrenze. Kontinuierliche LR-Werte sind von den Intervall-LRs in Tabelle 3 zu unterscheiden.
Die zugrunde liegenden Studien untersuchten Patient:innen auf Eisenmangelanämie, mit Knochenmarkeisen als Referenz. Das Modell ist nicht speziell für IDWA, Kinder oder Schwangerschaft validiert. Guyatt beschreibt für entzündliche Erkrankungen ein anderes Modell; dieses Tool verwendet ausschließlich das Modell der gemischten Population. Eine höhere Prätestwahrscheinlichkeit ersetzt keine Anpassung der Testeigenschaften. Die Studie berichtet auch innerhalb dieser Gruppe erhebliche Heterogenität.
Die AGA-Voreinstellungen 20 % und 60 % stammen aus Tabelle 2 des Technical Review (2020), für ambulante Patient:innen mit Anämie. Sie sind Beispielszenarien und ersetzen keine individuelle klinische Einschätzung. Ferritin nicht bereits in die Prätestschätzung einrechnen. Die angezeigten Dezimalstellen beschreiben die Rechnung, nicht die klinische Genauigkeit; Unsicherheitsintervalle werden nicht dargestellt.
Die ASH-Voreinstellungen 16 %, 27 % und 37 % sind globale gepoolte Prävalenzschätzungen aus der Leitlinie 2026 (Empfehlungen 2–4), nicht auf Anämie beschränkt. ASH verwendet für Erwachsene, Menstruierende und Schwangere dieselbe Evidenz zur Testgenauigkeit an bestimmten Ferritingrenzwerten, aber unterschiedliche Prävalenzen. Dies validiert nicht Guyatts kontinuierliche LR-Kurve in diesen Populationen. Für Kinder verwendet ASH separate Testdaten; ein Kinderszenario wird hier deshalb nicht angeboten. Es wird keine geschlechtsspezifische Ferritinkorrektur vorgenommen.
Die farbliche Einteilung bei 30, 50 und 100 µg/L ist eine eigene Darstellung in Anlehnung an die klinischen Entscheidungsgrenzen für Erwachsene bei Naveed et al. (2023, modifizierte Delphi-Studie, Abb. 2). Deren Interpretation hängt von Symptomen, Risikofaktoren, Begleiterkrankungen und gegebenenfalls der Transferrinsättigung ab. Die Farben gehen nicht in die Bayes-Rechnung ein und stellen keine universellen Diagnose- oder Therapieschwellen dar.
Naveed et al. Defining ferritin clinical decision limits to improve diagnosis and treatment of iron deficiency (2023) · Guyatt et al. J Gen Intern Med. 1992;7:145–153 · Erratum: 1992;7:423 · AGA Technical Review 2020